Brauchtum - Die Hexe
Beschreibung
Die Hexe ist im Volksglauben eine mit Zauberkräften
ausgestattete, meist weibliche, heil- oder unheilbringende Person, die im Rahmen
der Christianisierung häufig mit Dämonen oder dem Teufel im Bunde geglaubt
wurde.
Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexe vereinzelt als
Fremdbezeichnung auf Frauen und Männer angewandt, die unter dem Vorwurf der
Zauberei verfolgt wurden. Später setzte er sich, insbesondere in der
wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens „Hexenverfolgung“, allgemein
durch.
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Herkunft des Hexenglaubens
Der Hexenglauben ist ein paneuropäischer Aberglaube (Volksglaube), dessen
Wurzeln im vorchristlichen Götterglauben liegen. Diese weitgehende
Übereinstimmung fällt nicht ins Auge, weil die Bezeichnungen regional
unterschiedlich sind. So ist im postkeltischen Kulturkreis von Feen (Morgane
etc.) die Rede, die gut und böse sein konnten, in Irland zweigesichtig
dargestellt wurden. Im postgermanischen Raum steht der Begriff Elfe primär für
ein gutes Wesen, während es ansonsten eher (wohl als Folge christlicher
Indoktrination) die böse Hexe gibt. Die Bezeichnungen Fee und Elfe wurden nicht
auf Menschen angewendet und somit auch nicht Gegenstand der Hexenverfolgung. Sie
behielten ihren Charakter als mythische Wesen.
Das märchenhafte Stereotyp der Hexe, nämlich einer alten Frau, die auf einem
Besen reitet – hinzu kommt oft die Begleitung durch einen schwarzen Vogel
(wahrscheinliche einer der beiden Raben Odins) oder eine Katze – leitet sich von
der Vorstellung eines Wesens ab, das sich in Hecken oder eher in Hainen aufhält
oder auf Grenzen reitet. Vermutlich ist das Stereotyp als solches relativ neu
und Illustrationen in deutschen Märchenbüchern geschuldet, denn genaue
Entsprechungen (außer der Fähigkeit zu fliegen) fehlen vielerorts in
benachbarten Ländern. Aus der Zaunstange, meist gegabelte Äste, wurde in der
bildlichen Darstellung der Hexenbesen. Diese Version unterlag jedoch bereits
christlicher Einflussnahme. Für das Bild von der Zaunreiterin gibt es
verschiedene Erklärungen: Es könnte sich einmal um eine Art archaischer
(Wald)-Priesterinnen gehandelt haben, andererseits wird auch ein abstraktes Bild
bemüht: Wesen, die auf Zäunen sitzen, befinden sich auf einer Grenze von
kultiviertem Raum zur unkultivierten Natur.
Wenn die Hecke vielleicht mit dem Bannkreis, der vorchristliche Kultorte
umgab und eine Trennlinie zwischen der diesseitigen Welt und der jenseitigen
Welt darstellt, identifiziert werden kann, so ist die Hexe eine Person, die
zwischen beiden Welten vermitteln kann - somit divinatorische, aber auch
heilende Fähigkeiten und hohes Wissen besitzt, und damit die Eigenschaften der
vorchristlichen Kultträger.
Von je her sind die Bedeutungen Orakelsprechende, Zaubersprechende,
(Hell-)Seherin und weitere in der Bezeichnung Hexe eingeschlossen – alles
Attribute, die auch der nordischen Freya, der irischen Brigid und anderen
archaischen Göttinnen zugeordnet wurden.
Eine mögliche Herkunft des Archetypus „Hexe“ ist, wenn die Etymologie des
englischen witch stimmt, eine Frau mit okkultem oder Naturheilwissen, die unter
Umständen einer Priesterschaft angehörte. Dies ist eine Übertragung der
Fähigkeiten (Heilen, Zaubern, Wahrsagen) der Göttin Freya und vergleichbarer
Göttinnen in anderen Regionen auf ihre Priesterinnen, die im frühchristlichen
Umfeld noch lange in der gewohnten Weise agierten. Mit dem Vordringen des
Christentums wurden die heidnischen Lehren und ihre Anhänger
dämonisiert.